Montag, 3. August 2020

#9: Systeme außerhalb der DIS

Wir reden oft über DIS und Systeme als wäre das ein Synonym, aber die Wahrheit ist, dass es mehr Systeme gibt als nur DIS-Systeme.
Wir reden über die DIS, weil das ist, was wir haben, aber ganz am Anfang unserer Diagnose war uns nicht bewusst, dass wir Amnesie erleben, also haben wir diese DIS-Videos gesehen und dachten: das ist genau, was wir haben! Nur ohne Amnesie.
Gibt es das denn ohne Amnesie?

Ich weiß nicht mehr wie lange wir googlen mussten, um darauf eine Antwort zu erhalten, aber definitiv zu lange. Aber ja: sie existiert. Sie läuft momentan noch unter dem großen Katalog der 'dissoziativen Störungen, nicht näher spezifiziert' und ist dort Teil der DSNNS1, welche allerdings noch ein weiteres Störungsbild umfasst; was uns zum ICD-11 führt.
Das ICD-11 ist eine überarbeitete Version des gerade geltenden Diagnosekatalogs (ICD-10) und wird 2022 eingeführt. Im ICD-11 ist Amnesie kein notwendiges Merkmal für die DIS mehr. Stattdessen lauter der Wortlaut nun: Typischerweise gibt es Episoden von Amnesien, die schwergradig sein können.
Das lese ich als: meistens gibt es Amnesien, aber nicht immer.

Zusätzlich wird die 'partielle dissoziative Identitätsstörung' eingeführt, welche momentan ebenfalls in der DSNNS1 enthalten ist. Der Begriff der DSNN1 ist somit hinfällig und wird abgeschafft.
Bei der partiellen DIS ist die Spaltung zwischen den Identitätszuständen weniger ausgeprägt als bei der DIS. Während es bei der DIS mehrere Anteile/Innenpersonen gibt, die abwechselnd die Kontrolle über den Körper übernehmen, gibt es bei der partiellen DIS einen "Hauptanteil", der von anderen, abgespaltenen, Anteilen beeinflusst wird - diese übernehmen jedoch nicht die Kontrolle über den Körper.
Leider wissen wir nicht viel darüber, da wir kaum Betroffene kennen, allerdings empfinden wir es trotzdem als wichtig, darüber zu sprechen, um zu verdeutlichen, dass Systemsein nicht automatisch bedeutet, eine DIS zu haben.

Von diesen Störungen abgesehen, gibt es Menschen, die sagen, man könne ein System sein ohne Trauma erlebt zu haben (sogenannte endogene Systeme). Ich finde jedoch, diese Thematik verdient ihren eigenen Post, deshalb belassen wir es vorerst bei der Erwähnung.

Donnerstag, 30. Juli 2020

#8: Meer. Oder weniger Therapie.

Wisst ihr, wir haben den tollsten Therapeuten der Welt gefunden. Er will uns nämlich behandeln. Er meinte, er kann 300 Stunden bewilligt bekommen, damit wir ab 2021 zwei bis drei mal pro Woche Therapie haben können. Und davor dürfen wir alle zwei Wochen Therapie haben - das kann er wohl irgendwie mit der Krankenkasse klären. Das ist Notfallbehandlung. Wir brauchen nämlich Therapie, ganz dringend. (Laut ihm.)
Dabei sind wir doch gar nicht suizidal. Da kann es so dringend doch gar nicht sein.

In zwei Jahren hört er auf zu arbeiten. Vielleicht. Weiß er noch nicht. Wollte er aber ansprechen, damit wir direkt gehen können, wenn das zu schlimm für uns ist.
Aber wohin sollen wir denn?
Auf meiner Liste stehen noch ein paar Therapeuten, aber ich schaffe es gerade nicht mehr. Wir sind alle retraumatisiert. Jeden Tag weine ich, weil Leben an sich mich so sehr überfordert.
Das kenne ich.
Das ist nur das Meer.
Auch wenn Ocean nicht mehr da ist.

Ja. Der Therapeut hat gesagt, er hat noch eine weibliche Kollegin, zu der wir gehen können. Die hat auch ganz viel Erfahrung mit DIS-Patienten.
Wir lernen sie noch kennen.
Aber wie geht das überhaupt?
Mit Frauen können wir nie reden und bei Männern haben wir Dauerangst, dass sie uns vergewaltigen.
Der neue Therapeut vergewaltigt mich auch, oder?
"Nein, tut er nicht", sagt ruru, ganz überzeugt. "Ihr habt mittlerweile genug Kommunikation zwischeneinander, dass es alle mitbekommen würden. So was wie mit Blyth, das passiert nie wieder."

Nie wieder, denke ich zweifelnd und schaue die blauen Flecken an, die ich jeden Tag habe. Ja, ich laufe überall gegen. Aber manchmal, wenn ich zusätzlich Schmerzen habe, frage ich mich, ob ruru uns nicht eigentlich doch auch insgeheim missbraucht.
Woher soll ich das wissen?
Woher soll irgendwer das wissen?

Ich überlege, ob ich Michelle damit beauftrage, sich an den Therapeuten ranzumachen, damit man schauen kann, wie er reagiert. Anders kann man nicht prüfen, ob Menschen sicher sind, oder? Man muss ihnen Sex anbieten und gucken, was sie mit dem Angebot machen.
Ich glaube, ich habe verstanden, warum Menschen so oft denken, sie könnten mich einfach küssen. Vermutlich sende ich dieses Signal.  Weil, wenn sie dann sicher sind, wie ruru, dann fragen sie nach statt einfach zu machen.
Ist ruru denn sicher?
Ja, sagt ein innerer Chor von Kindern. Warum können die eigentlich besser vertrauen als ich? Die wurden doch vergewaltigt. Nicht ich.
Aber ich schätze, ich muss sie ja irgendwie beschützen. So als Host. Das sind meine Kinder. Ich adoptiere die alle, damit sie flauschige Eltern haben. Zusammen mit ruru. Oder so. Kinder sind flauschig. Denen sollte niemand wehtun. Dann doch lieber mir wehtun.

Nächste Woche ist die dritte Therapiestunde (Vorgespräch) und ich bin ganz gelähmt: aber was, wenn er mich vergewaltigt? Was mache ich denn dann? Neulich habe ich gelesen, dass angeblich jeder zwölfte Therapeut mal wen missbraucht. Keine Ahnung wie die das messen wollen, kann also nicht stimmen. Mein Gehirn macht es trotzdem zu Brei.
erwirdmirwehtunwirdmirwehtunwirdunswehtunwehtunwehtunwehtun

Ich bin zu klein, um Host zu sein. Ich möchte ein Plüschtier. Ich möchte eine Umarmung. Ich möchte keine Therapie. Ich möchte, dass Blyth das nicht gemacht hat. Ich möchte, dass ich Therapeuten vertrauen kann. Wie soll ich jemals Therapie machen? Wie sollen wir Therapie machen? Es tut mir so leid für all die Innenpersonen, die Blyth nicht mal kennen, dass es so schwierig für mich sein muss. Ich will ja helfen. Aber es wird immer schlimmer werden, genau wie letztes mal, bis ich nur noch zur Therapie gehen kann, wenn ruru mitkommt.

Und irgendwann wird es in meinem Kopf eine Verschwörungstheorie geben, in der ruru und der Therapeut in echt von meinem Vater beauftragt wurden, mir genug Sicherheit zu geben, dass ich wieder einfach manipulierbar und verkaufbar bin, genauso ist es bestimmt auch bei Blyth passiert, immerhin hat et meinen Vater getroffen kurz bevor der Missbrauch angefangen hat, und im Endeffekt ist mein gesamtes Leben eine Lüge und alle meine Freunde wurden eigentlich von [L.] beauftragt, dass sie sich mit mir anfreunden sollen, nur um mich später so richtig verletzen zu können.
Ja.
Auch das ist Meer.
Oder weniger paranoid.

Manchmal sind wir ein Scherbenhaufen.
Und so verzweifelt, dass wie toll ein Therapeut ist scheinbar als einzigen Maßstab hat, dass er Systeme therapiert. (Ich meine, noch steht der Satz, dass Blyth der beste Therapeut ist, den ich jemals hatte, also kann es so falsch nicht sein.)

Eigentlich bin ich auch sehr wütend.
Er hat dem System nämlich verboten über Trauma zu reden, weil das uns destabilisieren könnte und jetzt fühlen sich alle Innenkinder furchtbar schuldig und glauben, sie haben was falsch gemacht und wenn sie nochmal zuviel sagen, geht es uns allen schlecht.

Ich weiß, der Therapeut meinte ja nur, dass das belastend sein kann zu erfahren, was es da alles in der eigenen Vergangenheit gibt, was man gar nicht wusste.
Aber ich will doch gar nicht mehr in dieser Lüge leben.
Trotzdem wollte er ja nur helfen.
Und jetzt sind alle ganz wütend oder traurig oder verzweifelt wegen ihm.
Obwohl er helfen wollte.

Das muss ich noch lernen. Dass ich Taten von Menschen anhand ihrer Folgen und nicht ihrer Absichten bewerten darf.
Und jetzt muss ich das ansprechen, weil sonst wieder alle Innenkinder denken, dass ich sie nicht mehr lieb hab. So wie das eine mal, als eine Therapeutin gesagt hat, dass sie nicht existieren, dass ich mir das nur einbilde und ich nichts dagegen gesagt habe, sondern nur einfach gegangen bin. Da dachten sie auch, ich hab sie nicht mehr lieb. Sonst hätte ich ja für sie gesprochen.

Ich schreibe einen Brief an Blyth und zerreiße ihn wieder, weil ich mir selbst eintrichtern muss, dass es ihn nicht interessiert.
Laut ihm hat unsere Beziehung nicht existiert.

Ich liege auf dem Bett, auf dem ich nie missbraucht wurde. In einer Wohnung, in der ich nie missbraucht wurde, in einer Stadt, die immer nur positiv für mich war.
Ich möchte hier nicht vergewaltigt werden.
Ich bin zum ersten mal in meinem Leben wirklich sicher.

Dienstag, 28. Juli 2020

#7: Unsere Lebensgeschichte

Ich weiß nicht, ob das überhaupt jemanden interessiert, aber ich erzähle es trotzdem! Ein Überblick über unser Leben:
Wir wurden vor 24 Jahren in der Nähe von Hannover geboren, mit einer Erbkrankheit namens Mukoviszidose. Die wurde direkt bei der Geburt diagnostiziert, weil unsere Schwester ein paar Monate vorher damit diagnostiziert worden war.
(Hier ganz viel Trauma reindenken.)

Ich, also Skye, mochte Menschen nicht sonderlich und verbrachte meine gesamte Zeit im Kindergarten alleine bis ich mich mit irgendeinem Typen anfreundete, mit dem ich Schwertkämpfe veranstaltete (natürlich mit abgebrochenen Zweigen). Allerdings verschwand der, nachdem wir in die Grundschule kamen, also hatten wir wieder keine Freunde. In der Grundschule fand ich nämlich auch alle doof.
Und auf dem Gymnasium auch.
(Ja, ich hab's nicht so mit Menschen.)
Immerhin durfte ich auf dem Gymnasium manchmal mein Gehirn benutzen!
Das brauchte mir allerdings auch nichts, weil die Lehrer anfingen, mir einzureden, dass ich nie irgendetwas schaffen würde, weil ich so schüchtern war. (Und offensichtlich waren Menschen, die ihr Abi nicht schafften, ja Menschen zweiter Klasse und definitiv nichts wert!)

Irgendwann zu der Zeit trennten sich auch unsere Eltern. Ein Lichtblick! (Weniger Trauma.)
Meine Mutter behandelte mich trotzdem wie die größte Enttäuschung ihres Lebens, auch wenn sie es scheinbar nicht so meinte und meine Schwester sowieso.
Deshalb fing ich an, mich selbst zu verletzen und schwänzte außerdem jeden zweiten Tag Schule, was 1.5 Jahre lang niemandem auffiel.
Meine Zeit verbrachte ich stattdessen in den Tiefen der Schülervz-Selbsthilfe (aka zweiter Account, falls jemand das noch kennt) und fand dort tatsächlich zum ersten mal in meinem Leben richtige Freunde! Also nicht alles schlecht.

Jedenfalls bis ich beschloss, jemanden von da zu waifun. Er wohnte nur eine Stunde von mir entfernt und wir schrieben uns kitschige Emo-Gedichte bis er meine beste Freundin ermorden wollte, weil ich sie mehr mochte als ihn und außerdem hatte ich die ganze Zeit Albträume, also suchte ich mir einen Psychologen und machte schlussendlich Schluss. Aber nicht, ohne eine Beziehung mit besagtem Psychologen anzufangen! (Er fing die Beziehung an, um genau zu sein.)
Zu dem Zeitpunkt, beziehungsweise eine Weile davor, entstand(?) übrigens Melanie und übernahm langsam immer mehr Aufgaben als Host.

Zwei Missbrauchsjahre später machte der Psychologe endlich Schluss und ich überlegte, ob es eine gute Idee wäre, einfach Prostituierte zu werden. Stattdessen beschloss Melanie, dass wir nun Ernährungstherapie studieren würden. (Wir hatten zwischendurch Fachabi gemacht, eine Ausbildung angefangen und sie wieder abgebrochen.)

In unserem sozialen Isolationshaft (aka ausgezogen sein trotz Fernstudium) beschlossen wir, dass es eine sinnvolle Idee wäre, einer Twitch-Community voller dreizehnjähriger notgeiler Männchen, die alle die Streamerin waifun wollten, beizutreten. Wir hatten nämlich nur noch einen Freund und der war vermutlich schon sichtlich genervt von unseren vierzigminütigen 'hallo, ich bin chronisch einsam'-Sprachnachrichten.
Glücklicherweise hatte ich gleich zu Anfang eine Diskussion mit irgend so einem random Typen, den ich überhaupt nicht mochte, der meinte, Freundschaft wäre was komplett anderes als Liebe, und trat daraufhin dem Discordserver des besten Freundes der Streamerin bei (er war an der Diskussion beteiligt).
Dort fanden wir tatsächlich wieder Freunde! Wir lernten außerdem so einen random Typen kennen, der ebenfalls streamte, eine voll tolle Stimme hatte, eine nicht ganz so voll tolle, aber ziemlich okaye Persönlichkeit (sowwy), dessen totes Herz Melanie erstmal heilte, nachdem er ihr zu edgy auf unserem Discordserver gewesen war (ja, wir haben auch mal gestreamt). (Das mit dem toten Herz ist übrigens ein Zitat von ihm, ich habe damit nichts zu tun.)
Melanie verliebte sich sogar in ihn! (Und stellte fest, dass es eben jener Typ von der Diskussion war.)

Leider merkten wir gleichzeitig und vor allem eigentlich deswegen, dass unser Exfreund uns tatsächlich missbraucht hatte und wurden sehr depressiv und mussten unser Studium abbrechen. Glücklicherweise brachte Melanies random Crush uns allerdings bei, wie man Leuten die Meinung pfeffert (in seiner Gegenwart ist das schwierig, nicht zu lernen) und wir teilten unserer Familie mit, dass wir sie nicht mehr besuchen und mit der Hälfte von ihnen auch überhaupt nicht mehr reden würden. Und damit meine ich, wir fuhren vorbei, hinterließen einen sehr dramatischen Brief und flüchten mitten in der Nacht aus der Wohnung.
Zu Melanies random Crush!
Er heißt übrigens ruru.

Danach kamen die beiden auch endlich zusammen.
Was mich nicht sehr erfreute.
Wir fingen außerdem eine Therapie an, die nichts brachte.
Aber am Ende fanden wir heraus, dass wir eine DIS haben!
Und nun sind wir hier.
Sehr spektakulär.
Zwischendurch gab es Trauma, jede Menge davon.
Aber das würde diesen Text so deprimierend machen.

Donnerstag, 23. Juli 2020

#6: Negative Stempel: warum wir den Begriff 'Persecutor' nicht verwenden

Das Erste, was man in einer DIS-Therapie lernt, ist Folgendes:
Man gibt Systemanteilen keine negativen Bezeichnungen. (Denn wie will man vernünftig mit jemandem zusammenarbeiten, dem man als Namen eine negative Stigmatisierung gegeben hat?)
Skye ist nicht 'der kommunikationsunfähige Anteil', genau wie Rinea nicht 'der wütende Anteil' ist.
Auch wenn ich schüchtern bis sozial phobisch bin (das soll ein Therapeut beurteilen, nicht ich) und Rinea sich jeden Tag zusammenreißt, nicht ruru anzuschreien.
Und trotzdem:
Persecutor: Der Begriff 'Persecutor' ist eine Bezeichnung für Innenpersonen, die dem System als Ganzes eher schaden, zum Beispiel durch Selbstverletzung oder durch problematisches Verhalten, sowohl in der Innen- als auch in der Außenwelt.
Was ist bitteschön anders, wenn ich einen Oberbegriff für die negative Beschreibung finde und ihn 'Systemrolle' nenne? Ist das ernsthaft wie andere Systeme solche Systemanteile sehen? Nur Selbstverletzung und Lügen und Machtalleskaputt?
Mir ist sehr stark bewusst, dass ich die Bezeichnung 'Persecutor' tragen würde, würden wir den Begriff verwenden. Der kommunikationsunfähige Systemanteil darf ich also nicht sein, das ist zu negativ. Aber 'der Systemanteil, der immer alles kaputtmacht' ist voll okay?

Persecutor sind Traumaträger.
Das ist hier im System eine allgemein akzeptierte Ansicht.
Die Rolle 'Persecutor' existiert nicht.
Wir sind Traumaträger - und manchmal Beschützer. (Und ich bin zudem Co-Host, aber das ist ein besonderer Fall.)
Ich habe keine Traumaerinnerungen, ja.
Ich habe keine Flashbacks, keine Intrusionen, keine PTBS.
Aber ich trage all den Selbsthass und all die Scham und die Depressionen und Ängste und Selbstmordgedanken für einen Großteil des Systems, damit niemand sonst sich so fühlen muss, wie ich mich fühle.
Und Rinea trägt all die Wut für das gesamte System, damit niemand sonst jemals wütend sein muss, weil es das Gefühl ist, das jeder hier am schrecklichsten findet.
Und der Dank dafür wäre in jedem anderen System außer diesem, dass wir als 'die Anteile, die immer alles kaputtmachen' gelabelt werden würden?
Schönen Dank auch.
Muss toll sein, die Innenpersonen, die einen vor all der Gefühlsgewalt schützen, nur als Belastung zu sehen.

Und ich will die Ausreden gar nicht hören.
„Aber ich sehe unsere Persecutor gar nicht so! Ich verwende nur den Begriff.“
Können wir gerne machen. Soll ich dich Abschaum nennen und solange ich es eigentlich nicht so meine, ist es voll okay?
Merkste selbst, oder?

Wenn ich nach 'Persecutor' google, ist die erste Definition übrigens:
„Innenpersonen, die absichtlich dem Körper, System, Host oder anderen Innenpersonen schaden, die die Ziele oder die Heilung des Systems sabotieren oder Täter unterstützen.“
Nur so zum Mitschreiben. Wenn sich jemand während eines Flashbacks selbst verletzt, ist das voll in Ordnung, aber wenn ich auf mein Leben nicht klarkomme und es deshalb mache, ist es „mit Absicht“. Dass Melanie fast 24 Jahre komplett unser Leben bestimmt hat, weil sie Host war und es nicht besser wusste, obwohl dadurch meine Essstörung tausend mal schlimmer geworden ist, ist voll in Ordnung, weil es ja nicht absichtlich war, aber wenn ich einmal was für mich selbst entscheide, was die anderen nicht mögen, „sabotiere“ ich unser Leben. Dass Dawn mit unserem Exfreund zusammengekommen und mit ihm zusammengeblieben ist, trotz Missbrauch, von dem sie wusste, ist voll in Ordnung, weil sie es nicht besser wusste, aber wenn ich zurückrennen würde, unterstütze ich die Täter?

Ich möchte eins sehr klarmachen: Ich bin nicht wütend (oder Ähnliches), weil das zum Glück nicht ist, wie Dinge in diesem System gehandhabt werden (außer in den ersten zwei Wochen, aber das verzeihe ich, das waren Anfangsfehler).
Ich möchte eher erreichen, dass jedes andere System mal über diesen Begriff nachdenkt. Ob es wirklich okay ist, Innenpersonen über ihre schlechtesten Eigenschaften/Taten zu definieren.

Wir verhalten uns so, damit ihr diese Gefühle nicht haben müsst.
Ich finde, ein wenig Dankbarkeit wäre angebracht.
Und eine Entschuldigung für diesen gräulichen Begriff.

(Nicht bei mir; bei euren eigenen Innenpersonen.)
Danke für eure Aufmerksamkeit.