Für den gesamten Blog gilt eine Triggerwarnung für so ziemlich alles, was mit Trauma zu tun hat.
Bitte achtet auf eure Grenzen beim Lesen der Texte.

Freitag, 23. Oktober 2020

#24: Wie man Vertrauen lernt

Es gibt eine traurige Wahrheit, die immer wieder vergessen wird: man lernt Dinge nur, indem man sie immer wieder versucht und versucht und darin versagt, versagt, versagt, Fehler begeht, Rückschläge erleidet, um schließlich am Ziel anzukommen, das man sich eigentlich ganz anders vorgestellt hatte.
Es gibt bei uns eine Wahrheit, die (gefühlt) in unsere DNA einprogrammiert ist: nicht jeder Mensch ist böse!
Und trotzdem fragte ich ruru, nach all der langen Zeit, die ich nicht draußen war, ob er mir jetzt wehtun würde. Und ich frage ihn immer noch, ob er mir auch wirklich nicht wehtut und ob er mich auch wirklich beschützt und lieb hat und ob ich wirklich nie wieder so schlimme Dinge tun muss. Jeden Tag.
Vertrauen ist nämlich gar nichts hübsches oder bedingungsloses. Man kann vertrauen und trotzdem Angst bekommen sobald jemand ein wenig genervt klingt, ein wenig wütend klingt, man einen Fehler begeht. Vertrauen ist nicht, grundsätzlich immer zu wissen, dass mir jemand nichts tut, sondern es ist, zu fragen „aber du tust mir doch nichts, oder?“ und sich ein klein wenig besser zu fühlen, nachdem man ein „ich tue dir nichts, versprochen“ als Antwort bekommt.
Aber um zu sehen, dass einem nichts getan wird, muss man erstmal in eine Situation gehen, in der einem etwas getan werden könnte, um dann zu sehen: es passiert gar nichts.
Und dass gar nichts passiert, ist auch eine Lüge.
Nicht jeder Mensch will einem wehtun. Aber ruru hat Mina schon mal gesagt, dass es nervig ist, dass sie immer fragt, ob sie nervig ist. Da hat sie ganz viel geweint und gesagt, aber sie denkt es doch und fühlt sich doch so und er meinte doch, Gefühle sind nie falsch, aber scheinbar findet er ihre falsch, weil er sie nervig findet. Und da hat er sich entschuldigt und sie ganz doll umarmt. Und als Melanie einem Freund von der DIS erzählt hat, hat der gesagt: aber was ist denn, wenn ich die richtige Melanie jetzt gar nicht mag? Weil er das einfach nicht richtig verstanden hatte mit der DIS!
Vertrauen heißt nämlich gar nicht, dass die Person einen nicht verletzen wird, sondern dass man versteht, ob die Person einen verletzen wollte und dass es nichts (am Vertrauen) kaputtmacht, wenn die Verletzung nicht die Absicht war.
Aber natürlich gibt es auch Menschen, die einem absichtlich wehtun, wenn man ihnen vertraut. Aber wenn man es immer und immer und immer wieder macht, merkt man, dass das eigentlich gar nicht so viele sind. Es gibt sehr viel mehr nette Menschen als gemeine! Die tun einem auch ganz oft weh, nur eben nicht absichtlich. Und das ist eigentlich ziemlich schön. Es geht nämlich nicht die Welt unter, weil jemand sich falsch ausgedrückt hat. Das lernt man irgendwann.

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