Für den gesamten Blog gilt eine Triggerwarnung für so ziemlich alles, was mit Trauma zu tun hat.
Bitte achtet auf eure Grenzen beim Lesen der Texte.

Dienstag, 20. Juli 2021

#67: empathielos

Die Welt um mich herum existiert nicht. Sie besteht aus nicht lebendigen Dingen, Pappmenschen und Kunstbäumen, meinen Babyenten und mir. Und uns.
Ich verstehe niemanden mehr. Ich kann es nicht nachvollziehen. Ich weiß nicht mehr, was Verständnis ist, außer ein gelogenes „oh nein, das klingt extrem unflauschig, hoffentlich geht es dir bald besser, wenn ich irgendetwas für dich tun kann, sag Bescheid“, weil ich nicht die Person sein will, die von jedem Problem, das Menschen haben, genervt ist. Nicht der Mensch sein will, der ich bin.
Mit Corona kam es, dass ich mich vollkommen distanziert fühlte von anderen Menschen. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert. Ich glaube, Menschen könnten einfach verschwinden und ich würde es nicht registrieren. Sie sind mir so dermaßen egal.
Aber meine Freunde waren mir noch wichtig. Ich wollte wirklich, dass die Welt flauschig ist, für sie. Mittlerweile ist mir auch das egal. Menschen sind Pappscheiben. Nicht real, nicht real, nicht real. Die gesamte Welt ist nicht real und eine Lüge.

Ich hasse mich. Ich hab das Gefühl, das muss ich hier reinschreiben. Ich will diese Person nicht sein, die andere Menschen nicht interessieren, die von jedem ihrer Probleme genervt ist, die absolut kein Verständnis für irgendetwas hat. Deshalb verhalte ich mich natürlich auch nicht so und lüge Menschen an, es würde mich interessieren, versuche, zu helfen, weil, was zur Hölle soll ich überhaupt bitte sonst tun. Es ist trotzdem widerlich. Ich will auch nicht lügen. Es erscheint mir nur als die beste Lösung, die ich momentan haben kann.
Ich fühle mich so verdammt alleine. Ich könnte den ganzen Tag mit Menschen verbringen und es würde nichts ändern. Davon abgesehen, dass das nicht geht. Davon abgesehen, dass Corona.

Ich hasse die Maskenpflicht. Sie macht mein Leben absolut unlebenswert und der einzige Grund, warum ich mich nicht umbringe, ist, dass sie irgendwann vorbei ist und ich keine Depressionen habe, die mir sagen, dass es alles niemals besser wird. Ich hab keine Lust mehr, um Aussagen herumzutänzeln, weil andere Menschen nicht verstehen, dass man etwas hassen und gleichzeitig sinnvoll finden kann.
Ich hasse die Maskenpflicht, weil ich Menschen nicht mehr sehe. Weil sie genauso gut Pappscheiben sein könnten und inzwischen auch sind. Weil sie keine Gefühle mehr haben. Ich hasse sie, weil ich es psychisch nicht abkann, eine Maske zu tragen, aber ich mich, wenn ich es nicht tue, fühle, als hätte ich gerade jemanden ermordet, obwohl ich seit einem Jahr eine Befreiung habe. Jeder Schritt vor die Haustür ist nur eine Entscheidung, auf welche Art ich mich heute scheiße fühlen möchte.

Ich bin nicht mehr empathiefähig und es gibt nichts, was ich dagegen tun kann. In meinem Kopf passen andere Menschen und Gefühle nicht mehr zusammen. Andere Menschen existieren überhaupt nicht mehr. Ich bin ganz alleine in dieser komplett leeren Welt.

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