Auf diesem Blog geht es um Trauma, Traumafolgestörungen und unser Leben damit.
Bitte achtet auf eure Grenzen beim Lesen der Texte.

Freitag, 20. Mai 2022

#100: DIS-Diagnostik & Hilfe

„Fühlen Sie sich denn ausreichend behandelt, in Ihrer ambulanten Therapie?“
„Nein. Aber ich weiß nicht, was es Besseres geben sollte.“
„Es gibt hier im UKE auch die psychiatrische Institutsambulanz, falls Sie mehr Hilfe benötigen.“

Die psychiatrische Institutsambulanz, wo einem DIS-Experten sagen, dass man in eine Klinik gehen muss, damit man beobachtet werden kann, damit sichergestellt werden kann, dass man wirklich eine DIS hat.
Geile Hilfe.
Bitte ergötzt euch am Schauspiel unseres Lebens.
Wie gut können wir unauffällig sein?
Reicht es dafür, dass uns unsere Diagnose wieder abgesprochen wird?
Bitte  b e o b a c h t e t  ganz genau,
wie ungesehen wir spielen können,
zieht unsere Seele aus.
Ob wir schon genug ausgezogen wurden, um eine DIS zu entwickeln?
Genug gefoltert,
genug missbraucht,
genug nicht aufgefangen?
Aber ihr fangt uns sicher auf, in:
„Wenn du dir wehtust, fliegst du raus.“
„Wenn du sterben willst, sperren wir dich ein.“
Unsere Pflicht auf körperliche Unversehrtheit,
mit der uns jedes Recht genommen werden kann.
Unser Körper gehört jetzt also euch und nicht mehr „Tätern“. Wo liegt der Unterschied?
Vielleicht zwischen den Zeilen des DIS-Fragebogens, den wir inzwischen schon zwei mal ausgefüllt haben. Aber was schadet ein drittes mal, viertes mal, fünftes mal? Ich meine, da könnte doch noch was versteckt sein - wir könnten doch doch noch eher schizophren sein - oder borderline - oder was ist, wenn unser Therapeut Komplexe hatte und einfach jedem kindheitstraumatisierten Menschen eine DIS diagnostizieren wollte? Ja, ja, manche Therapeuten sind nämlich gar nicht so gut und lügen oder gaslighten oder manipulieren oder - aber hier doch nicht. Hier ist alles sicher. Genauso wie in der letzten Klinik, wo du -
nein, warte -
missbraucht wurdest?
Okay, das passt jetzt irgendwie nicht so in den Plan.
Ja, aber...
wir können dir hier bestimmt voll helfen, so Stabilisation machen, während du jede Nacht nicht schlafen kannst, weil dein gesamtes System davon überzeugt ist, dass dich irgendjemand hier vergewaltigen wird,
ich mein, das System kann ja nicht überzeugt sein, wenn wir noch nicht mal sicher wissen, ob es eins gibt!
Deshalb musst du ganz unbedingt dringend in unseren Zoo, äh, ich meine Hilfsanstalt.
Also schon, aber nein, irgendwie doch nicht, eigentlich sind wir gar nicht zuständig, eigentlich ist diese andere Klinik zuständig, die bei dir direkt um die Ecke, also zwei Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln, entfernt ist, die kennen sich auch gut mit DIS aus, die können auch gut, Leute, die ihr gesamtes Leben unter den wachsamen Augen von Tätern verbracht haben,  b e o b a c h t e n.

Das nennt sich dann Hilfe.
Das hat ganz sicher rein gar nichts mit Macht zu tun.

Donnerstag, 19. Mai 2022

#99: Trauma: Therapie VIII

Ich will nicht mehr in Therapie sein, wenn es ohnehin nur immer eine scheiß Illusion ist von wegen, vielleicht bringt es mir ja was, wenn ich noch einen Monat länger hingehe, vielleicht ändert sich ja was, vielleicht macht es dieses man nicht mein Leben kaputt und im Endeffekt wird einem eh nie zugehört und es ist eigentlich nur scheiße. Und wenn ich etwas will, was mein Leben nur schlechter macht, wo ich durchgehend das Gefühl habe, dass mir niemand zuhört und ich bin trotzdem verpflichtet hinzugehen, warum lasse ich mich dann eigentlich nicht direkt wieder missbrauchen? Es macht keinen Unterschied. Jemand hört einem nie zu, aber verspricht die ganze Zeit, wenn man es nur lange genug versucht, dann ändert sich irgendetwas. Für eigentlich jede Art von Beziehung ist klar, dass das absoluter Müll ist; warum sollte es in der Therapie plötzlich anders sein?
Und dann wird gesagt „Sie müssen ja nicht in Therapie gehen“. Ist wirklich geil diese Freiheit, bei der ich dann alle paar Monate zum Gutachter muss, um zu beweisen, dass ich nicht arbeiten kann und nie meinen Namen ändern können werde und nicht mehr auf Reha fahren darf, weil mir gesagt wird, ich soll erstmal ambulante Therapie versuchen und Menschen davon überzeugt sind, dass ich nicht versuche, irgendwas zu ändern, weil „sonst wärst du in Therapie“. Aber ja, natürlich kann ich mich „freiwillig“ entscheiden, nicht in Therapie zu gehen - ungefähr so freiwillig wie unsere Beziehung zu Blyth war, wir hätten ja auch jederzeit einfach Schluss machen können.

Ich komm nicht darauf klar. Wie Therapeut*innen sich die ganze Zeit als die Ausnahme sehen.
Normalerweise ist es so, dass, wenn man nach einem Jahr noch extrem starke Kommunikationsprobleme hat, obwohl man voll oft miteinander redet, dass eine zwischenmenschliche Beziehung dann irgendwie keinen Sinn macht, weil man offensichtlich irgendwie nicht auf einer Wellenlänge ist? Scheiß egal, in der Therapie funktioniert das bestimmt irgendwann in drei Jahren noch.
Normalerweise ist es so, dass, wenn einem eine zwischenmenschliche Beziehung absolut nichts Positives bringt, man sie vermutlich beenden sollte? Ach, in der Therapie bekommen wir das bestimmt irgendwann in drei Jahren noch hin.

Freunde sagen mir vielleicht mal Bescheid, wenn sie in Urlaub fahren und zwei Wochen nicht erreichbar sind; sagen Treffen ab und entschuldigen sich vermutlich, vielleicht ein bisschen mehr, wenn sie sich selbst hassen. Therapeuten: „Oh, aber ist das wirklich okay für Sie, wenn die Therapie ausfällt? Kommen Sie klar? Brauchen Sie einen Notfallplan für, wenn ich drei Wochen im Urlaub bin?“ Es gibt nichts, was ich mehr hasse. Wie entitled sind diese Leute bitte, dass sie denken, nachdem man sie fünf mal gesehen hat, kommt man ohne sie nicht mehr klar? Ich versteh so was, wenn man schon Jahre in Therapie ist und es einem richtig schlecht geht, ich kenne auch durchaus Menschen, denen es deutlich schlechter geht, wenn deren Therapeut*innen im Urlaub sind oder die sogar für die Zeit oft in eine Tagesklinik gehen, weil sie sonst suizidal werden. Aber in welcher Welt siehst du jemanden ein paar mal und danach ist „Kommst du ohne mich klar?“ eine naheliegende Frage? Wie weit abgehoben muss man sein, dass man Leute, die Hilfe brauchen, so sehr als hilflos sieht, dass man denkt, sie kommen nicht zwei Wochen ohne einen klar?
Wir hatten in unserem Leben genau null Suizidversuche. Wir wurden von unserem letzten (okay, vorletzten) Therapeuten missbraucht. Was denken die, was wir tun, wenn die zwei Wochen wegfahren? Uns in die Luft sprengen?
Auch beliebt: „Nachdem wir über dieses schwierige Thema geredet haben und Sie ein bisschen geweint haben, ist das wirklich okay, dass Sie jetzt nach Hause gehen müssen?“ Nein, bitte rufen Sie die Psychiatrie an. (/s) ??? Nein, ich wurde 22 Jahre lang missbraucht und hab nicht versucht, mich umzubringen, aber jetzt, wo ich mit Ihnen darüber rede, will ich schon sterben?
Es regt mich so doll auf. In was für lofty Wolken leben die?

Samstag, 14. Mai 2022

#98: empathielos II

Ich glaub, ich hab es endlich verstanden. Warum andere Menschen immer weniger bedeuten, warum wir eigentlich nur noch genervt sind und all die negativen Dinge, die wir sonst uns selbst erzählen, jetzt über andere Menschen denken.
Seit über zwei Jahren leben wir nur noch für andere Menschen. Ich finde das so richtig, don't get me wrong. Das ist gerade wichtig. Aber trotzdem ist es eben so.

Die Maskenpflicht belastet uns. Na ja, nicht die Pflicht, sondern die Masken - die Pflicht ist ja teilweise sogar aufgehoben. Wir haben zwar eine Maskenbefreiung, aber realistisch gesehen, haben wir die vielleicht für vier Wochen insgesamt verwendet, an Tagen, wo es wirklich gar nicht ging, den Rest der Zeit tragen wir lieber eine, weil es eben nicht so schlimm ist, dass es überhaupt nicht möglich ist.
Wenn wir Symptome haben, machen wir einen Test, obwohl Stäbchen ein unglaublich großer Trigger für uns sind. Wir treffen uns nicht mit Menschen (außer ruru), verlassen das Haus nicht, wenn wir nicht müssen (außer für Spaziergänge), haben unsere Ernährung und unser Leben komplett umgestellt, damit wir nur noch ein mal pro Woche einkaufen müssen.
Corona haben wir trotzdem bekommen. Und dann haben wir uns für zwei Wochen isoliert. Nur, um zu erfahren, dass das auch falsch war, eigentlich ist man wohl verpflichtet, einen PCR-Test zu machen und wie können wir es wagen, nicht noch mit Corona durch die halbe Stadt für einen Test zu fahren (der uns triggert) und alle Menschen auf dem Weg anzustecken, sondern uns einfach direkt für zwei Wochen zu isolieren?!
Wir machen jede Impfung, obwohl wir jedes mal wochenlang (starke) Nebenwirkungen haben. Weil wir es gewagt haben, das unserer Ärztin zu sagen, wurden wir auch noch fertig gemacht, als hätten wir ihr vorgeworfen, uns vergiftet zu haben, dabei wollten wir nur wissen, ob man was gegen die Schmerzen machen kann.
Ja, sie war vermutlich komplett überarbeitet. Das macht es nicht besser.

Und all das erwähne ich nie, weil ich Angst habe, so scheiße doll Angst, dass Menschen denken könnten, wir wären gegen die Maßnahmen, wenn wir sagen „mich belastet das“. Ich weiß nicht mal, ob das stimmt, das ist vermutlich einfach Trauma, weil ich grundsätzlich davon ausgehe, dass Menschen das schlechtmöglichste von uns denken.
Ich erwarte keinen Preis dafür, dass mir andere Menschen nicht egal sind. Aber wenn ich dann doch mal an einem Tag meine Maskenbefreiung raushole, weil es gerade wirklich nicht anders geht, will ich nicht über den halben Bahnhof angeschrien werden.

Die letzten zwei Jahre waren die beschissensten unseres Lebens. Vermutlich, weil unser gesamter Alltag eigentlich nur noch aus Stress besteht, haben wir durchgehend mit Entzündungen zu kämpfen. Unsere Augen haben beschlossen zu sterben oder so; wenn wir nicht jedes halbe Jahr eine neue Brille in genau der richtigen Sehstärke kaufen, bekommen wir so starke Schmerzen, dass es sich anfühlt, als würde die Sonne (oder irgendein Funken Licht) uns die Augen aus dem Kopf brennen wollen (Lichtempfindlichkeit). Das sind 400€ pro Jahr. (Zum Glück teilen wir uns zumindest eine Sehstärke.)
Wir können keinen Sport mehr machen, machen stattdessen seit einem Jahr beinahe jeden Tag von der Physio verordnet eine Stunde lang Dehnübungen, die nichts besser machen, aber sobald wir damit aufhören, bekommen wir natürlich sofort noch mehr Entzündungen in unseren Beinen. Unser Orthopäde hat uns Bandagen gegeben, die man eigentlich „beim Sport“ tragen soll - wir können ohne sie nicht laufen. Also, Spazierengehen. Oder Stehen. Im Supermarkt, an der Kasse. Wir sind komplett nicht lebensfähig ohne diese Bandagen, die normalerweise Leistungssportler nach einer Verletzung bei ihrem Leistungssport tragen sollen.
Wir geben momentan über 1.000€ pro Jahr für irgendwelche notwendigen (na ja, jedenfalls notwendig dafür, irgendwie Lebensqualität und nicht durchgehend superstarke Schmerzen zu haben) medizinischen Leistungen aus, die wir definitiv vollkommen legal von der Sozialhilfe bezahlen.

Und währenddessen tun wir diese ganze Reihe von Dingen, die unser Leben aktiv schlechter machen, weil sie wichtig sind.
Und am Ende ist es trotzdem nie genug, weil das mit der DIS zu kompliziert ist oder weil es uns zu oft schlecht geht oder weil wir nicht oft genug Sex* haben wollen oder weil unsere Plüschtiere uns wichtiger sind als Menschen und das böse ist oder weil wir es einfach wagen zu existieren und Platz und Raum und Zeit einzunehmen.
Dann arbeiten wir seit fünf Jahren daran, dass es uns besser geht und am Ende geben wir uns trotzdem nicht genug Mühe, weil wir die Therapie zu oft abbrechen oder nicht in eine Psychiatrie gehen wollen, solange es nicht unbedingt notwendig ist.

Und ich glaub, es wird einfach immer mehr zu viel und am Ende kann man nur entweder an dem Punkt landen, wo man sich selbst komplett egal sein lässt, andere Menschen sind eben grundsatzwichtiger oder man landet an dem Punkt, wo man vollkommen ernsthaft nach einer Diskussion über Schutzmaßnahmen sagt: „Ich freu mich schon, wenn diese Person stirbt, weil sie die nicht eingehalten hat.“ (Konkret: ging um das Einatmen von Epoxidharzdämpfen und die Person hat andere Menschen versucht davon zu überzeugen, dass eine Atemschutzmaske nicht notwendig ist und nur ein teures Gadget, das Leute dafür benutzen, das Hobby zu gatekeepen.)
Ich werde nicht sagen, wer von uns das von sich gegeben hat, aber ich bin gefühlsmäßig an einem Punkt, wo ich die Aussage absolut nachvollziehen kann.

Wir behandeln andere Menschen flauschig, aber in uns ist eigentlich konstant Genervtheit und „warum sind Menschen so unfähig“ und „warum stellen die sich alle so verdammt an“ und „oh, wow, du hast dir den Zeh verstaucht, tragisch, es ist so schlimm, dass du jetzt zwei Wochen lang nicht vernünftig laufen kannst, ich fühle deinen Schmerz, ich kann auch seit ZWEI JAHREN nicht vernünftig laufen“. Dass mir bewusst ist, dass der Gedankengang scheiße ist, macht ihn nicht weg.

„Ich nehm Menschen irgendwie nicht mehr als Menschen wahr, sondern wie... Objekte.“ Ein Objekt wirft man auch nicht aktiv durch den Raum gegen die Wand, selbst wenn man vielleicht mal das Bedürfnis dazu hat; es ist ja schon wichtig irgendwie. Aber wenn es aus Versehen gegen die Wand fliegt, ist das zwar unflauschig, aber man empfindet es im Endeffekt vermutlich nicht als ultra schlimm.
Ich frag mich jeden Tag, ob wir eigentlich noch Liebe verdienen, weil es so sehr in jeglicher Struktur verankert ist, dass man böse ist, wenn man keine Empathie mehr fühlt. Vollkommen egal, was man macht, wie man sich verhält - das ist alles nicht wichtig. Alles, was zählt, ist ein Gefühl, dessen Abwesenheit ich mir nie ausgesucht habe.

Donnerstag, 5. Mai 2022

#97: you are the avalanche, one world away.

Ich dachte, wenn ich lese, was du gesagt hast, fällt es mir leichter, wegzubleiben. Ich dachte, wenn ich es sehen kann, so wirklich, wie du uns missbraucht hast, macht es das einfacher, in deiner Nähe zu sein.
„Immer, wenn es mir schlecht geht, fängt er an, mich 'Kleines' zu nennen.“
Du wusstest das.
So genau.
Hab den Tag wiedergefunden, wo ich überzeugt bin, du festgestellt hast, dass wir eine DIS haben. „Ich hab so Angst vor dem Gespräch nachher mit Blyth“, hab ich meinem damaligen Freund geschrieben. Vom Gespräch selber hab ich nie was gesagt.
In meiner Erinnerung hast du mich versetzt.
Aber das Gespräch muss doch da gewesen sein. Es muss stattgefunden haben, sonst hätte ich doch mehr darüber geredet, dass wir es später haben werden.
Ich erinnere mich nicht.
Ich wünschte so sehr, ich hätte unsere Verläufe.

Ich reiß mich von dir weg und les weiter. Im Nachhinein ist es so klar erkennbar, wie du angefangen hast, uns zu manipulieren.
Triggerwörter zu testen.
Trigger zu testen.
Ich bin mir fast sicher inzwischen, dass du mich damals geküsst hast, habe ich nicht geträumt.
Scheinbar hab ich irgendwann Schluss gemacht und du bist daraufhin zu uns gefahren. Wann zur Hölle soll das gewesen sein? Was hast du gemacht, gesagt, warum waren wir danach trotzdem zusammen? Ich werd das alles nie wissen. Nichts davon werde ich jemals wissen.

Zum ersten Mal
in meinem Leben
wird mir bewusst, wie viel ich verloren habe.

Warum erinnere ich mich an diesen scheiß random Tag, wo es plötzlich geregnet hat und ich danach meine Schuhe föhnen musste, weil ich noch zu dir fahren wollte und sie komplett durchnässt waren, aber nicht daran, wie ich mit dir Schluss gemacht habe und dann doch nicht?

Alles, was ich finde, ist Sehnsucht.
Ich wünschte, irgendjemand würde mir mein Leben erklären. Aber die einzige Person, die weiß, was passiert ist, bist du.
Ich will dich aus mir rausschneiden.
Ich will zurück zu dir.
Ich will, dass mir irgendjemand mein Leben zurückgibt. Ich erinnere mich nicht. Ich erinnere mich nicht.
Mich zerreißt deine Abwesenheit.

Mittwoch, 4. Mai 2022

-

I made you my temple, my mural, my sky,
now I'm begging for footnotes in the story of your life,
drawing hearts in the byline,
always taking up too much space or time.

What would you do if I

break free and leave us in ruins,
took this dagger in me and removed it,
gain the weight of you then lose it?
Believe me, I could do it.

Dienstag, 3. Mai 2022

#96: Indoctrination

„Ich werde Sie niemals so gut verstehen können wie dieser Therapeut, weil diese Art von Tätern es perfektioniert haben, Leuten das Gefühl zu geben, dass sie alles an ihnen verstehen.
Weil ich auch noch Ich bin und nicht versuche, alles zu sein, was Sie jemals brauchen könnten.“

Like a moth to a flame
you will give, as I take your mind.
So don't be afraid.
I will leave you satisfied.

Es war vermutlich die schlechteste Idee, die wir jemals hatten, nach [Ort] zu fahren. Jeder Plan, den ich mache, verschwindet in deiner Gegenwart.
Wir konnten auch damals Nein sagen. Wir haben zu V. Nein gesagt. Ich hab dir gesagt, dass ich nicht zu dir gehöre. Selbst, wenn wir das behalten haben, gehörten wir immer nur dir.

Ich will nicht, dass dir mein Zuhause gehört.
Wir wollten dort wohnen, irgendwann.
Jetzt trägt jede Straße deinen Namen.

Ich kann die Orte besuchen, wo du uns vergewaltigt hast. Kann mich an Wände stellen, gegen die du uns gedrückt hast. Dein Büro betreten, in dem jetzt vielleicht endlich eine funktionierende Uhr hängt. Den Raum betreten, in dem du einen halben Herzinfarkt hattest, weil es klang, als hätte jemand die Tür aufgemacht. Das einzige Mal, das du erschrocken warst. Ein einziges Mal.
Jede Ecke, jeder Waldweg trägt deine Spuren.

Ich muss nur
29 Tage
überleben.
Dann bin ich endlich frei.

Rede ich mir ein.
Es ist so einfach zu denken, wenn man nur eine bestimmte Sache schafft, kann die Welt sich endlich weiterdrehen.
Und ich glaube wirklich, wenn wir deine Nähe überleben, kann uns nie wieder so etwas passieren.
Ein Beweis dafür, dass wir frei sind davon, missbraucht zu werden.

Und im Endeffekt glaube ich auch nicht, nachdem du jetzt seit vier Jahren vehement leugnest, dass jemals irgendetwas zwischen uns war, dass du uns jemals wieder missbrauchen wollen würdest.
Aber selbst wenn ich einen schriftlichen Plan für jedes Szenario habe, in dem wir uns bezüglich dir befinden könnten und ein Notizbuch mit einer Vergewaltigungsnothilferufnummer und vier verschiedenen Adressen von Kliniken, die anonyme Spurensicherung anbieten, weil,
wenn irgendetwas passiert,
vielleicht können wir dann zumindest machen, dass du nie wieder als Therapeut arbeiten darfst.

And you know damn well
for you I would ruin myself
a million little times.

Montag, 2. Mai 2022

#95: Zusammenhänge

Timeline.

„Gaslighting“ hab ich aufgeschrieben, Silvester 2016. Ich hatte den Begriff nie gehört. Ich hab ihn gelesen. Irgendwo, auf Tumblr. (Nicht irgendwo. Danke, Kris. Für all die Erkenntnisse.)
Ich besitze den Tagebucheintrag nicht mehr, aber ich wusste es nicht, ich war mir wirklich unsicher. Irgendwer meinte, ich soll nächstes mal, wenn wir Blyth sehen, eine Kamera installieren. Das hat mir Angst gemacht. (Logischerweise.)
Ich hab keine Ahnung, was ich Blyth gesagt hab. Ob ich was gesagt hab. Das Tagebuch existiert nicht mehr.

Mai 2017.
Irgendwas ist passiert und wir haben uns selbst verletzt.
„Ich hab mich deswegen aufgeschnitten und du wusstest, warum.“
Und irgendwo im Wald
hinter diesem verdammten Schuppen
hast du uns missbraucht.

Juni und du sagst, dass jemand behauptet hat, dass derjenige gesehen hat, wie wir uns geküsst haben. Wir kommen zum selben Schluss: kann nicht sein. Schuppen mitten im Wald um 23 Uhr ist so, so unwahrscheinlich. (Vom Mehr mal abgesehen.)
Hausverbot.
Du hast mich nicht gebeten, aber ich hab einen verdammten Brief geschrieben. „Blyth und ich haben ein rein familiäres Verhältnis und ich finde es einfach nur dreist, wie irgendjemand solche Lügen in die Welt setzen kann.“ Hausverbot hast du trotzdem.
Zum Glück.
Zum Glück.

Im Juli bist du gegangen.

Ich hab das nie in einem Kontext gesehen. Nie chronologisch betrachtet.
Aber was, wenn
Was, wenn

der Brief, den wir dir im Mai gegeben haben, zu viel war,
zu offensichtlich gezeigt, dass wir anfangen zu merken, was passiert,
zu viel „wie viel ist eigentlich Missbrauch, wenn jemand denkt, dass man was auch immer möchte?“
Ich hab mir immer gesagt, vielleicht hat uns jemand wo anders gesehen und es nur im Kontext des Tages gesagt, weil es noch moralisch fragwürdiger ist, wenn du eine Patientin datest, als wenn wir einfach nur irgendwo zusammen sind.
Aber was, wenn
irgendjemand einen anonymen Brief darüber geschrieben hat
und die Person du warst,
weil du genau wusstest, wenn ich das mitbekomme, spätestest wenn du mich bittest, würde ich einen Brief schreiben, in dem ich alles leugne.
Und ich genau weiß, wie sehr mir dieser Brief jegliche Anzeige, die ich jemals versuchen könnte, kaputtmachen wird.

Und dann bist du gegangen.
Wir waren nie wieder zusammen.
Jedes mal, wenn ich irgendetwas erwähnt habe, bist du ausgewichen oder hast mich behandelt, als hätte ich Halluzinationen.
Im Nachhinein
so offensichtlich.

Immer mehr wirkt so verdammt geplant.

Mittwoch, 27. April 2022

#94: zurück zu dir

Viele zu sein ist schwierig. Weil, wenn ich allen Innenpersonen verbiete, Kontakt zu Blyth zu haben, jeden Kontaktversuch unterbinde, ihn überall blockiere, Accounts, die zur Kontaktaufnahme genutzt wurden, lösche - wie sehr bin ich dann noch entfernt von demselben Verhalten, das ich bei anderen Menschen so vehement ablehne? „Ich weiß besser als du, was gut für dich ist.“
Wie weit davon entfernt, über jemand anderen zu bestimmen.
Aber gleichzeitig: ich bin doch auch wichtig. Und ich muss das ja alles auch lesen, alles auch hören, das Bedürfnis haben, Blyth anzuschreien, weil er so, so ignorant ist, das Bedürfnis haben, es zu klären und mir immer wieder sagen: das funktioniert nicht. Es liegt nicht daran, dass er es nicht versteht.
Und wenn es doch passiert, wie sehr trampelt man dann auf die Kinder, die Angst vor Blyth haben? Die sind auch wichtig. Es wird nie irgendeinen Weg geben, alle Personen im System gleich zu respektieren.

Und egal, wie sehr ich das Gefühl habe, dass es mir, ganz persönlich, helfen würde, in die Stadt zu fahren, in der er wohnt, an den Ort, wo alles angefangen hat, um festzustellen: es ist vorbei.
Es ist fünf Jahre her.
Er ist nicht hier.
Ich kann
endlich
wegfahren.
Egal, wie viel es mir tatsächlich vielleicht hilft.
Was ist mit all der Angst? Ich meine, klar. Solange wir nur hinfahren, kann ich sagen: es ist tatsächlich überhaupt nicht gefährlich. Er ist nicht da. Er hat sogar Hausverbot. Er kann nicht einfach aufkreuzen. Die Angst ist nur Trauma und Trauma verschwindet nur, wenn man wirklich, in seinem Innersten, versteht, dass es Vergangenheit ist. Das stimmt.
Aber wenn er acht Kilometer entfernt wohnt, könnten wir genauso gut vor seiner Tür aufkreuzen. Was hält irgendjemanden davon ab?
.

Dein Name alleine findet mir mindestens zwei E-Mail-Adressen, unter denen man dich erreichen kann, dein Instagram-Account ist ein Zeugnis davon, wie sehr wir nicht wegkommen, ich kenne deine Adresse auswendig, auch wenn ich nie dort war, vielleicht gibst du ein Konzert, zu dem man gehen könnte, vielleicht erwähnt einer deiner Freunde uns; wenn du aufkreuzt, selbst wenn du das Haus nicht betreten darfst, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand von uns in dein Auto steigt?
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir immer noch dir gehören?

Dienstag, 26. April 2022

#93: Alle Zeit der Welt

„Ich hab das Gefühl, Psychologen sind immer so 'Vermeidungsverhalten - ja, hm, das ist eigentlich nicht so gut, das wollen wir eigentlich weg haben'. Aber dann machen sie es selber.
Wenn ich jetzt in die Bahn gehe und die erstbeste Person anspreche, werde ich in dem Gespräch wahrscheinlich zehn mal aus Versehen getriggert und fünf mal ist es überfordernd. Und hier ist es so, Sie achten die ganze Zeit darauf, dass ja nichts zu viel ist, dass ja nichts überfordernd ist. Es soll ein sicherer Ort sein, aber was es vor allem ist, ist ein Ort fernab jeglicher Realität.“

„Sie wollen also, dass ich mehr meine Reaktionen auf das, was Sie sagen, zeige.“
„Es ist verletzend für mich, wenn Sie mir jede zweite Stunde sagen, dass Sie eigentlich gar nicht hier sein wollen, dass Sie eigentlich lieber zu wem anders wollen. Ich schlucke das herunter, weil ich glaube, dass Sie das brauchen.“
„Und ich glaube, ich habe jetzt besser verstanden, warum. Sie brauchen das, um sich zu distanzieren, damit Sie auch gehen könnten.“

Ich verstehe es nicht.
Drei Jahre Kommunikationspsychologie und ich verstehe immer noch nicht, was an unseren Worten so anders ist, dass das daraus wird.
Wie aus „ich will nicht wie eine Schneeflocke behandelt werden“ wird, dass ich will, dass unsere Psychologin mehr von ihren Gefühlen zeigt.
Wie aus dem simplen Fakt, dass die Therapie uns nicht hilft, den wir aussprechen, damit sich vielleicht Dinge ändern können, wird, dass wir uns emotional distanzieren wollen. Distanzieren wovon? Von der Bindung, die nicht existiert? Die wir nicht aufbauen können, weil uns kein Raum gegeben wird, mal mehr zu fühlen als das absolute Minimum, weil wir nicht überfordert sein dürfen, weil Überforderung angeblich böse schlecht und traumatisch ist?

„Ich glaub, ich brauch eigentlich einen autistischen Psychologen“, sage ich. „Aber die behandeln vermutlich nicht DIS.“
„Neurotypische Kommunikation funktioniert eher so, Sie sagen A und ich frage, ob Sie X meinten, weil ich das verstanden habe, bis wir irgendwann bei dem A landen, das Sie meinten. Autistische Menschen machen das eher nicht so, Sie verstehen direkt A und reagieren dann darauf.“
In welchem Universum sie lebt, möchte ich gerne wissen. „Neurotypische Menschen verstehen B, wenn ich A sage und antworten mir dann auf B und dann muss ich in meinem Kopf aufdröseln, was da gerade schiefgelaufen ist. Und dann sag ich 'nein, das ist nicht, was ich meinte, ich meinte A' und dann fühlen sie sich manipuliert, weil ich ja eindeutig gerade B gesagt hatte und jetzt versuche ich plötzlich, etwas anderes zu behaupten. Autistische Menschen sind die Einzigen, die jemals nachfragen würden, weil sie die Einzigen sind, denen überhaupt in den Sinn kommt zu denken, dass sie vielleicht etwas falsch verstanden haben könnten, weil sie das so gewohnt sind.“

Ich wünschte, neurotypische Menschen würden mal nachfragen, was ich meine. Und nicht davon ausgehen, dass der einzige Weg, wie man Gefühle fühlen kann, Empathie ist. Wenn unsere Psychologin mir sagt, dass es sie verletzt, wenn ich ihr klar mache, dass ich Verhaltenstherapie brauche und ich mir unsicher bin, ob ich einfach für immer weiter suchen soll (Verhaltenstherapie und DIS gibt es irgendwie nicht) oder ob wir das irgendwie in die Psychoanalyse gequetscht bekommen, dann frage ich mich in erster Linie, ob sie mir eigentlich überhaupt zuhört. Warum wird mir nicht einfach auf meine Frage geantwortet?
Ach ja, weil jedes mal, wenn ich mit Verhaltenstherapie ankomme, vielleicht eine Stunde darauf eingegangen wird, bevor sich wieder irgendein Grund findet, warum das definitiv doch keine gute Idee ist. Wie zum Beispiel, dass ich dabei was gefühlt habe. So was wie Panik. Das geht ja nicht. Gefühle sind böse. BÖSE.
Dass ich mehr Panikattacken im Jahr habe als Therapiesitzungen ist egal - in der Therapie wird nicht gefühlt! Na ja, irgendwie schon, also, ich soll schon was fühlen, aber halt nicht so. Halt gemäßigter. Sonst ist das ja überfordernd und wir wissen ja alle, sobald man jemals überfordert wird, ist das voll traumatisierend. Deshalb hab ich regelmäßig Flashbacks von meinem alltäglichen Leben. /s

Ich hab keine Lust mehr auf diese Scheiße.
Es gibt einfach nichts Gutes an Therapie.

Und doch trotzdem, wenn ich andere Menschen von ihrer Therapie reden höre, wünsche ich mir das auch. Und wenn ich mich erinnere, an Blyth, vor 2015 und wie zum ersten mal in unserem Leben irgendjemand zugehört hat. Ich glaube nicht, dass Blyth jemals mitgefühlt hat. Aber es ging immer um Gefühle. Um mehr Fühlen. Selbstbestimmter Fühlen. Mehr Jetzt fühlen.
Es ging nie darum, nicht überfordert zu sein. Wir waren so überfordert, dass wir direkt nach zwei Wochen wieder weggerannt sind und er hat uns gehen lassen und alles, was er gesagt hat, war, dass wenn wir wiederkommen wollen, wir das dürfen.
Es ging unglaublich viel um Dürfen. Fühlen dürfen. Existieren dürfen. Platz und Raum und Zeit einnehmen dürfen.
Und ich glaube, dass er uns missbraucht hat, ist eigentlich gar nicht das Schlimmste. Es macht mir Angst, weil ich diesen Menschen, den ich liebe, nicht einschätzen kann, weil das einzig interessante an uns für ihn im Endeffekt die Frage war, wie sehr man einen Menschen kontrollieren kann. Das Schlimmste ist, dass wir etwas Gutes gefunden hatten und dann hat er es weggenommen. Und jede einzelne Therapiestunde bei jedem einzelnen Therapeuten erinnert mich daran, wie unglaublich selten es ist, gehört zu werden, wie unglaublich besonders 2014 war und jede Stunde erweckt mehr den Eindruck in mir, dass es das, was wir hatten, vielleicht in unserem Leben niemals wieder geben kann.

Montag, 18. April 2022

#92: Bachelor of Gaslighting

Disclaimer: das „ihr“ am Ende des Textes bezieht sich ausschließlich auf (Psycho)Therapeut*innen.

Vielleicht haben wir gar keine DIS,
denke ich manchmal, wenn ich mit anderen Systemen rede.
Wenn ich mit anderen Innenkindern rede, die denken, fühlen, sprechen wie ein tatsächliches Kind - während es bei uns ziemlich offensichtlich ist, dass die Innenkinder mit einem 25 Jahre alten Gehirn leben. Sie drücken sich vielleicht einfacher aus, haben eine kindlichere Tonlage, aber:
„Wir können alle Lesen und Schreiben und Sachen durch 3 teilen. Sachen durch 3 teilen ist überlebenswichtig für unser Leben. Aber das zu erklären ist kompliziert, also möchte ich nicht. Ich könnte bestimmt auch eine Kurvendiskussion machen, wenn ich wollte. Ich find, es klingt nur komisch, dass man Kurven diskutieren muss und dass das überhaupt was mit Zahlen zu tun hat. [...] Ich möchte lieber mit Plüschtieren kuscheln und Malbücher ausmalen und Pokemon schauen - die Erwachsenenserien mag ich einfach nicht. Und die Erwachsenensachen auch nicht.“

Unsere Therapeutin stellt uns irgendeine DIS-Theorie vor, nach der der Host sozusagen eine „Phobie“ vor den anderen Innenpersonen hat. Man lehnt es ab, mit diesen in Kontakt zu treten, weil man dadurch auch erfährt, was im eigenen Leben passiert ist, von all dem Trauma, das man erlebt hat.
Ich verneine. Das ist überhaupt nicht mein Erleben. Ich bin dankbar für jede Information, für jedes „ach deshalb ist das so; deshalb habe ich mit x Probleme“. Vor der Diagnose habe ich sehr oft gesagt, dass ich mich viel zu traumatisiert fühle für das bisschen Trauma, das ich erlebt habe.
Es passte einfach nicht zusammen.
Manchmal habe ich gesagt: „Ich will mich vergewaltigen lassen, damit ich endlich einen Grund haben kann, warum es mir so schlecht geht.“
Es gab nichts Negatives an der Diagnose.
Es gab nichts Negatives daran, dass ich Dinge erfahren habe.
Es hat plötzlich alles so unglaublich viel Sinn ergeben. Als hätte ich mein Leben lang etwas gesucht und es endlich gefunden.

Ich hab das erklärt.
Skye hat einen Text dazu geschrieben.
Ich habe es nochmal in Skyes Worten erklärt.

Und trotzdem, immer wieder, wurde es mir vorgeworfen: dass ich mich selbst anlüge. Wie bei einem Verhör musste ich immer wieder beteuern, dass ich Interesse daran habe, die innere Kommunikation zu verbessern.
Letztes mal wollte ich nicht mehr darüber reden und bin der Frage dazu ausgewichen. Das wurde angemerkt. Ein Beweis dafür, dass es stimmt, dass ich es in echt gar nicht will.
„Nein. Es ist nur einfach frustrierend, dass ich jedes mal, wenn ich irgendetwas sagen möchte, einen Essay schreiben und dann dreißig Stunden darüber reden muss, bevor mir geglaubt wird.“
„Hatten Sie das Gefühl, Sie mussten dieses mal einen Essay schreiben?“
„Ja. Ich rede seit einem halben Jahr darüber. Ich beantworte ständig dieselben Fragen. Aber geglaubt wird mir erst, wenn ich anfange zu weinen und es offensichtlich ist, dass es mir richtig schlecht geht damit; es reicht nie, wenn ich einfach nur etwas sage.“

Ich wollte so sehr. Mich nicht mehr so verdammt alleine auf dieser Welt fühlen.
Wir haben versucht, andere Systeme kennenzulernen. Aber es wird immer wieder so verdammt offensichtlich. Dass gefühlt jeder viel näher an dem Bild ist, dass Therapeut*innen von Systemen haben als auch nur ansatzweise nahe unserer Erfahrungswelt.
Es fühlt sich an wie Gaslighting. Mit schlechteren Bedingungen, würde ich nur noch die ganze Zeit mich fragen, ob ich es vielleicht einfach nicht erklärt habe. Ob ich mich falsch erinnere, nie etwas gesagt habe, es vielleicht erklären wollte, aber dann eben doch nichts gesagt habe; ob ich mir die DIS ausgedacht habe; ob ich mir mein Leben ausgedacht habe. Zum Glück schicke ich ruru oft nach der Therapie eine Sprachnachricht, wo ich erzähle, wenn ich etwas erklärt habe und was die Therapeutin dazu gesagt hat. Zum Glück schreibe ich an vielen Tagen auf, was an dem Tag passiert ist. Zum Glück haben wir vor einigen Wochen angefangen aufzuschreiben, worüber wir in der Therapie reden [among other things].
Wir können uns selbst beweisen, was wir versucht haben.

Ich habe keine Lust mehr auf DIS-Therapeut*innen.
Am Anfang unserer Therapiesuche haben wir jede*n Therapeut*in gefragt, ob si*er sich mit der DIS auskennt. Die meisten haben Nein gesagt. Bei den anderen hatten wir Vorgespräche oder standen auf Wartelisten.
Inzwischen möchte ich sagen: „Bitte, wenn Sie 'Ahnung von der DIS' haben, behandeln Sie uns nicht. Das Wissen, was Sie haben, ist kompletter Müll. Es betrifft uns nicht. Ich möchte nicht all meine Zeit damit verbringen, gegen Ihre Vorstellungen anzureden, wenn wir auch einfach jemanden finden könnten, der uns glaubt.“

Im UKE wurde uns damals gesagt, wir sollen uns stationär aufnehmen lassen, um unsere Diagnose zu bestätigen. Warum?
„Weil man Sie dann über einen längeren Zeitraum beobachten kann.“
Dass wir uns geweigert haben, fühlt sich fast an wie ein Zugeständnis dazu, sich alles nur auszudenken. Terrified, irgendjemand könnte uns unsere Diagnose wieder wegnehmen, weil wir zu unauffällig sind. Man sollte den Gedanken entertainen können, dass es nicht stimmt.
Aber ich werde nicht.
Weil es so unglaublich arrogant ist zu denken, man könnte uns ein paar Wochen lang beobachten und wüsste besser über uns Bescheid, als wir selbst. Uns hat nie irgendjemand zugehört. Immer, wenn wir versucht haben, Dinge - die im Nachhinein betrachtet klar Symptome von Dissoziation/der DIS sind - zu beschreiben, wurde uns gesagt, das wären „normale Erlebnisse, die jeder Mensch hat“.
Und dann sind wir endlich angekommen.
Und plötzlich wollte man uns angeblich zuhören.
Aber wenn wir in Therapie gehen, tut es ja auch niemand.
Ich muss ein halbes Jahr erklären, dass ich keine Angst vor Informationen zu Gefühlen habe, die ich ohnehin schon fühle. Erklären und erklären, dass es mein Leben nicht schlimmer macht von Kinderpornographieringen und Blyth, Blyth, Blyth zu wissen, sondern besser, weil ich mich mein Leben lang davor nur gefragt habe, warum, und keine Antwort hatte. Und am Ende ist es trotzdem nicht genug. Am Ende muss ich weinen und schreien, um gehört zu werden.
Aber ich will nicht mehr Weinen und Schreien.
Weil ich nicht muss. Ich hätte von Anfang an nie müssen sollen.
Von Anfang an hätte man uns einfach zuhören können.
Von Anfang an hätte man uns einfach glauben können.
Von Anfang an hätte man einfach akzeptieren können, dass wir uns selbst kennen und nein, natürlich nicht perfekt, natürlich haben wir Missverständnisse oder erinnern uns falsch, aber in jedem Fall, in jedem einzelnen fiktiven Szenario auf diesem ganzen Planeten, hätten wir immer noch mehr Ahnung von uns selbst als irgendeine fremde Person es jemals haben könnte, selbst wenn wir Amnesie haben und unter ihren Augen eingesperrt wären.
Es wäre so einfach gewesen, uns einfach nur zu glauben.
Dass es nicht passiert ist, entstand aus derselben Arroganz, aus der unser Erleben jetzt nicht valide sein kann, bevor es nicht von irgendjemandem, der studiert hat, bestätigt wurde.
Ich scheiße auf euer Gaslighting-Diplom. Bachelor of Manipulation.
Ihr seid alle nicht anders als Blyth.
But go on.
Redet euch ein ihr würdet helfen, weil ihr nicht unseren Körper sondern nur unsere Gedanken fickt.
*

Dienstag, 15. Februar 2022

#91: Innere Kommunikation & Offenheit

Als wir mit der DIS diagnostiziert wurden, waren wir sehr enthusiastisch darüber, endlich zu verstehen, warum wir teilweise so verschieden sind und das nun einfach Menschen sagen zu können, anstatt es zu verstecken und eine konsistente Person zu spielen, mit der niemand sich so richtig wohlfühlt. Dadurch, dass wir so offen darüber waren, wurden wir aber auch ziemlich schnell mit dem Problem konfrontiert, dass andere Menschen nie wissen können, wer draußen ist, es aber auch irgendwie unangenehm ist, durchgehend gefragt zu werden und es ständig von sich aus zu sagen nicht funktioniert, weil wir schlichtweg vergessen, dass es eine wichtige Information ist.
Daraufhin haben wir verschiedene Wege ausprobiert, es subtiler mitzuteilen und sind im Endeffekt dabei gelandet, dass es immer auf unserem Discordserver steht. ruru hat uns einen kleinen Bot geschrieben, dem man sagen kann, wer draußen ist, der dann unseren Namen auf dem Server ändert (und Statistiken darüber erstellt, weil Statistiken toll sind) und wir haben das sehr aktiv genutzt. Man muss dazu sagen, dass zu dem Zeitpunkt 98% unserer Freunde auf diesem Server waren, also auch jederzeit die Möglichkeit hatten, nachzugucken (und in privaten Discord-Nachrichten wird es sogar auch angezeigt, solange die Person auf dem Server ist). Da wir eh selten irgendwen treffen und unser halbes Leben auf Discord stattfindet, war das also perfekt.

Mit der Zeit haben wir aber immer mehr realisiert: für uns selbst ist es komplett egal, wer wann draußen ist. Es ist halt wie es ist und es hat keinen Vorteil, durchgehend darüber nachzudenken, wer gerade draußen ist und wer ansonsten vielleicht noch so da ist. Zumindest haben wir keinen gefunden. Dass die Information dort also immer richtig ist, ist eigentlich nur für andere Menschen relevant. Wir haben dann angefangen, es nur noch dann zu ändern, wenn es „relevant“ war, also, wenn wir beispielsweise mit jemandem geschrieben haben oder Ähnliches - weil es ja verwirrend ist, wenn derjenige denkt, dass zum Beispiel Skye draußen ist, aber in echt ist Yu draußen.
Aber weil wir aufgehört haben, konstant darüber nachzudenken, haben wir dann irgendwie auch verlernt, das so richtig zu merken. Wer wann genau da ist, ist ja selten so einfach wie „ausschließlich Dawn ist da und alle anderen sind im Innen und bekommen nichts mit“. Aber gleichzeitig fehlt auch die Wichtigkeit, um es wieder zu lernen. Ich mein, wenn wir jetzt unsere Wohnung putzen oder Einkaufen gehen oder Genshin spielen, für wen ist das dann wirklich relevant, wer das gerade tut? Oder ob man zwischendurch drei Wechsel hatte? Man denkt ja nicht durchgehend über seine Identität nach und solange man nicht wechselt und Blackout-Amnesie hat (was wir quasi nie haben, wenn nicht gerade etwas tatsächlich traumatisches passiert), warum sollte es dann überhaupt in erster Linie auffallen?

Aber es macht natürlich Probleme. Wenn niemand von uns irgendetwas spürt, was weiter als 0.5 Millimeter von „Außen“ entfernt ist, macht das die innere Kommunikation zunichte. Und wenn man die ganze Zeit in diesem verschwommenen Zustand ist, hat auch niemand mehr die Chance so wirklich er selbst zu sein. Man lebt einfach ein Leben. Natürlich muss man sich nicht mehr verstellen. Aber nach Außen ist man trotzdem eine Person.
Und ich glaube, das ist, was mich am meisten frustriert. Alle leben in ihrer schönen, einfachen identitätsintegrierten Welt und wenn man Viele ist, muss man trotzdem irgendwie reinpassen. Ob das nun ist, dass man eine Person spielt oder ob es ist, dass man immer konkret beantworten kann, wer genau zu welcher Zeit da ist und wenn es nicht eine Person genau ist, dass man zumindest so etwas sagen kann wie „90% Yu hier, aber Dawn ist auch da“. Alles andere wird nicht verstanden, alles andere ist fremd; das ständige Gefühl von dissoziativer Verschwommenheit kann man niemandem erklären. Und natürlich versteh ich das auch. Wenn es so weit von allem entfernt ist, was man jemals erlebt oder gelernt hat, dann braucht es einfach sehr viel Zeit (und Mühe) etwas zu verstehen und die Zeit hat nicht jeder und die Energie vielleicht auch nicht und vielleicht ist es auch manchmal einfach zu kompliziert.

Ich glaube tatsächlich inzwischen, dass es schädlich ist, so viel Fokus darauf zu legen, offen mit allem zu sein. Nicht, weil Offenheit gefährlich ist - ich bleibe bei meiner Meinung, dass es für Täter unglaublich egal ist, was man ihnen über sich selbst erzählt und was nicht. Einfach, weil es den Fokus, der da sein sollte, verschiebt. Zu verstehen, wer draußen ist, wer vielleicht zuhört, wer komplett abwesend ist, passiert nicht mehr mit dem Gedanken, die innere Kommunikation zu verbessern. Es passiert mit dem Gedanken, das eigene Sein nachvollziehbar für andere zu machen. Aber im Endeffekt führt es nicht mal dazu, dass wir mehr als System wahrgenommen werden. Wir werden als Einzelpersonen wahrgenommen, die sich irgendwie ein Leben teilen - und ich weiß, dass der Unterschied kaum sichtbar ist, vielleicht auch eine der Sachen, die man nicht verstehen kann, wenn man keine DIS hat, aber er existiert eben. Wir sind sowohl Eins als auch getrennt. Und nur getrennt gesehen zu werden fühlt sich auf jeden Fall besser an, als eine konsistente Person sein zu müssen, weil Menschen sonst erstens nicht wissen, wie sie mit einem umgehen sollen und zweitens durchgehend verletzende Sachen sagen. Davon abgesehen, dass es einfach extrem unangenehm ist, die ganze Zeit eine Rolle zu spielen. Aber am Ende des Tages ist es trotzdem nicht unser Leben.

Was ist ein Zwischenraum? Was die Alternative? Ich weiß es nicht. Vielleicht sich Gedanken darüber zu machen, wie andere Menschen einen ansprechen sollen, wenn man gerade einfach Viele ist. Und nicht spezifisch eine Innenperson. Zumindest scheint das ein großes Problem für andere Menschen zu sein. Und ja - mir ist auch bewusst, dass es da schon wieder um andere Menschen geht und schon wieder weniger um uns. Aber unser Leben funktioniert (noch) nicht ohne das.
Was ich aber weiß ist, dass unsere Innenkommunikation unabhängig von anderen Menschen sein sollte. Dass wir nicht andere durchgehend darüber informieren müssen, wer da ist - und sie das auch aushalten können, für uns. Sondern dass wir es merken, für uns, wenn es eben wichtig ist.

Mittwoch, 2. Februar 2022

#90: Überforderung ist wichtig

Alle Psychologen sind immer furchtbar bedacht darauf, dass niemand bloß jemals überfordert wird. Überfordert sein ist schlimm. Überfordert sein ist Trauma. Wir reden nicht hierdrüber oder da drüber, das könnte alles überfordernd sein und hier sind Übungen, hier sind Ressourcen gegen Stress; bloß nie, nie, nie, nie, nie wieder Überforderung. Es kommt mir vor wie ein verdammter Witz. Mein ganzes Leben ist überfordernd. Wenn ich nie wieder Überforderung will, muss ich Suizid begehen. Daran wird keine kleine Stunde Gespräch pro Woche irgendwas ändern. Dass ich überfordert bin, ist nicht das verdammte Problem.
Das Problem ist, dass unser Gehirn hundertausende Male in traumatischen Situationen überfordert war und jetzt denkt, überfordert sein heißt, dass gleich etwas GanzSchlimmes passiert. Aber wenn wir dann einfach für immer machen, dass wir nicht überfordert sind, wie soll unser Gehirn dann genau lernen, dass Überforderung nicht gleich GanzSchlimmeDinge ist? Es macht überhaupt keinen Sinn. Da beschweren sich Psychologen immer über etwaiges Vermeidungsverhalten und dann machen sie es selber.
Es kann mir auch niemand sagen, wenn ich nur genug Stressbewältigungsstrategien habe, dass ich nie wieder überfordert sein werde. Das ist nicht wie die Welt funktioniert. Das ist nicht wie Leben funktioniert. Und dass wir alleine so viel Fortschritte in unserer Traumaverarbeitung machen, liegt ganz bestimmt nicht daran, dass wir uns von jeglicher Überforderung fernhalten und bloß nie wieder zu viel fühlen; sonst hätten wir keine Freundschaften, wir hätten keine Beziehung, keine Therapie, kein gar nichts, wir würden einsam und alleine in unserer Wohnung sitzen und traurig sein und selbst dann wären wir noch überfordert, weil wir alle drei Monate zum Arzt müssen und Untersuchungen machen, die uns triggern.  Also könnten wir nicht zum Arzt gehen. Ziemlich sicher, das wäre auch eine Form von Suizid.

Ich fühl mich wie ein verdammtes Schneeflöckchen (behandelt). Ich darf schon wieder nichts fühlen. Fühlen ist schlecht. Fühlen ist Trauma. Und wenn wir Trauma besiegen wollen, dann beinhaltet das, dass wir ein „normales“ Level von Fühlen erreichen. Ich will kein scheiß „normales Level von Fühlen“. Ich mag mich wie ich bin. Mit Gefühlsvielfalt. Gefühls(zu)vielheit. Ja, das ist überfordernd. Die Lösung ist nicht BloßNieWieder überfordert zu sein.

Wenn wir überfordert sind, denkt unser Gehirn, es passiert jetzt EtwasGanzSchlimmes. Also was denken die, was passiert, wenn dann nichts Schlimmes passiert? Wenn sogar was Gutes passiert? Wenn plötzlich jemand da ist, den es kümmert, der versucht, irgendwie zu helfen, der sofort aufhört mit WasAuchImmer? Klar, beim ersten mal denkt man vielleicht so „hm, seltsam, das war bestimmt eine Ausnahme oder die Person hat das nur gemacht, damit sie mich am Ende noch mehr verletzen kann“ oder oder oder, aber nach drei Jahren sieht das schon anders aus. Und natürlich kann man dreizehn Jahre Trauma nicht mit drei Jahren überschreiben, in denen man gut behandelt wurde. Aber es hilft. Überfordert sein hilft. Man muss sich „nur“ ein Umfeld schaffen, in dem es aufgefangen wird (ich weiß selbst, wie verdammt schwierig das ist, so was zu finden).

Ich versteh diese ganze „Traumaarbeit“ nicht. Vielleicht ist es einfach nichts für mich. Es geht die ganze Zeit so sehr um Sicherheit; also könnte das Leben jemals sicher sein. Es ist nicht sicher. Ich will damit umgehen, nicht in irgendeiner Fantasiewelt leben.
Ich versteh Therapie nicht.
Ich hab das Gefühl, ich lebe in einer komplett anderen Welt als alle anderen Menschen, die in Therapie gehen.

Sonntag, 16. Januar 2022

#89: Trauma: Therapie VII

[13.01.2022]

Blyth hat es immer so dargestellt, wenn ich gesagt habe, dass ich nichts sexuelles möchte, als würde er den Unterschied zwischen Kuscheln und Sex nicht verstehen. Als wäre ihm das Konzept nicht-sexueller Berührung gänzlich fremd.
Und dann musste ich mich entscheiden.
Zwischen einer Welt, in der ich Umarmungen haben darf und berührt werden darf und den Körperkontakt haben darf, den ich so sehr brauche und einer Welt, in der ich keinen Sex mehr haben muss.
Das war die Darstellung. Es gab nur eine Welt gänzlich ohne Berührungen und eine Welt, in der ich Sex haben muss. Dazwischen war nichts vorhanden, nicht für ihn. Es gab nur zwei beschissene Situationen, zwischen denen ich wählen konnte.

In der Vergangenheit haben wir oft Therapien gemacht, in denen wir festgestellt haben, dass wir nicht zum Plan des Therapeuten passen. Der Therapeut hatte eine festgelegte Struktur, am Anfang bespricht man die Biografie, dann macht man Stabilisationsübungen, man redet über bestimmte Themen, mit denen traumatisierte Menschen im Allgemeinen oft Schwierigkeiten haben. Nur, dass wir mit diesen Dingen oft gar keine Schwierigkeiten hatten, aber dafür mit anderen.
Und plötzlich passte man nicht mehr in dieses System, das der Therapeut sich da überlegt hatte, also wurde man kurzerhand versucht, reinzupressen. Man hätte bestimmt doch Probleme mit dem besagten Thema, man wisse es nur selbst noch nicht oder würde es leugnen.

Dieses mal haben wir in der Therapie zum Ausdruck gebracht, dass es elementar wichtig ist, dass unsere Wahrnehmung über allem steht. Wenn wir sagen, es wäre sinnvoll, wenn wir zwei mal pro Woche Therapie haben, ist das so. Wenn wir sagen, wir haben keine Probleme mit einem bestimmten Thema, ist das so. Kein Therapeut wird uns mehr erzählen, dass unsere Wahrnehmung falsch ist - das hat Blyth zu lange gemacht.

Heute haben wir mit der Therapeutin darüber geredet, wie man die Therapie etwas mehr strukturieren könnte. Momentan ist es nämlich so, dass wir hingehen und meistens erstmal fünf Minuten lang schweigen. Manchmal gibt es natürlich irgendetwas, über das man akut reden möchte - und generell könnten wir auch einfach ein Gespräch anfangen. Aber in der Vergangenheit war es oft so, dass wir dann irgendetwas Belangloses gesagt haben, nur, damit es nicht so still ist und dann die gesamte Stunde über diese belanglose Sache geredet haben, die eigentlich überhaupt nicht wichtig für uns war. Das möchten wir gerne vermeiden - und sagen dann lieber gar nichts. Das haben wir der Therapeutin auch schon erklärt.
Wir hatten dann eben die Idee, es gibt ja bestimmt Themen, die mal wichtig zu besprechen wären, so allgemein und man könne eben eine Liste mit diesen Themen erstellen und dann können wir, wenn es nichts akut Wichtiges gibt, eben ein Thema von der Liste mitbringen. Dass das nicht geht, wurde mir erst später bewusst - ich habe immerhin selbst Dinge, über die ich einfach allgemein gerne öfter reden würde (zum Beispiel Blyth), weil ich gemerkt habe, dass mir das hilft, aber... ich könnte nie ein Gespräch darüber anfangen. Ich wüsste nicht, an welcher Stelle, wüsste generell nichts, es muss irgendwie natürlich in einem Gespräch aufkommen, damit ich überhaupt irgendetwas dazu zu sagen habe.
Jedenfalls fand die Therapeutin die Idee gut und wir haben auch gleich über mögliche wichtige Themen geredet. In diesem Kontext meinte sie dann, dass es ja auch gut ist, wenn wir die Therapie selbst strukturieren - Sie hätte davon abgesehen, irgendwelche Themen oder Ähnliches vorzugeben, weil es uns ja wichtig war, dass wir bestimmen, wie die Therapie aufgebaut wird und dass uns da nicht reingeredet wird.

Es ist dasselbe Gefühl.
Vor einem halben Jahr habe ich versucht, ihr zu erklären, was ich unter Therapie verstehe, was ich gerne hätte. Dass ich Struktur möchte, weil wir sonst einfach nur über Dinge reden, die mir gerade so einfallen, was ich genauso gut auch mit meinen Freunden machen kann. Bei mir entstand der Eindruck, dass Therapie einfach nur bezahlte Gespräche für Leute ist, die keine Freunde haben; aber da mir schon bewusst war, dass das nicht sein kann, weil andere Menschen ja durchaus auch Freunde haben, war es mir wichtig, das zu erklären, damit sich vielleicht irgendetwas ändern kann. Und weil ich es auch damals schon nicht mochte, dass am Anfang immer fünf Minuten Stille herrscht.
Ich hab damals nichts geklärt. Ich hab nur wieder und wieder darüber geredet, mich im Kreis gedreht. Die Therapeutin meinte dann, sie würde nicht mit einer vorgefertigten Struktur arbeiten, weil eben jede Person anders ist und sie müsse uns erstmal kennenlernen und wir sie ja ohnehin auch. Das fühlte sich an wie: „Es gibt noch keine Struktur, aber später können wir dann eine bauen.“ Danach fühlte es sich  geklärt an.

Jetzt fühlt es sich an, als würde ich zwischen zwei beschissenen Situationen stehen, von denen ich eine wählen kann. Entweder ich habe irgendwo Therapie, wo es absolut keine Struktur gibt, wo ich mir jegliche Struktur, die ich haben möchte, selbst aufbauen muss und dann mit dem Gefühl zurückbleibe, dass ich das eigentlich auch alles von vornherein selbst und alleine hätte machen können - oder ich habe irgendwo Therapie, wo es zwar Struktur gibt, aber uns dafür auch unsere komplette Fähigkeit zu Selbstreflexion und damit auch unsere Wahrnehmung abgesprochen wird.
Es gibt keine Mitte.
Wie verzweifelt ich bin, kann ich immer noch nicht ausdrücken.

„Aber darüber kann man ja reden. Das kann man ja klären.“
So wie schon im August und im September und im Oktober. Ich hab nicht mitgezählt, wie oft ich versucht habe zu erklären, was ich brauche. Zu oft für jegliche Regel, die ich mir diesbezüglich gestellt habe. Ich hatte und habe so sehr das Gefühl, dass die Therapeutin uns wirklich verstehen möchte und es einfach nur nicht tut. „Vielleicht, wenn ich es nur nochmal anders/besser erkläre, ...“, ist kein Gedankengang mehr, den ich haben kann. Die Hoffnung in mir ist gestorben.

Ich weiß nur nicht, was ich jetzt damit machen soll.

Donnerstag, 13. Januar 2022

#88: Identitätsverwirrung

In letzter Zeit bin ich unzufrieden. Ich kann es nicht ganz greifen. Ich verstehe es nicht.
Es fing damit an, dass ich wirklich nicht zufrieden war mit meinen Haaren. Nicht, dass ich das jemals gewesen wäre - ich mag kurze Haare viel lieber, aber wir haben demokratisch entschieden, dass wir lange haben werden. Irgendwie dachte ich: ich muss damit was machen. Vielleicht färben oder so. Irgendetwas.
Dann hab ich mit kageru Pokemon gespielt. Ich glaube, da findet Gender inzwischen gar keine Erwähnung mehr. Früher wurde man gefragt, ob man männlich oder weiblich ist, mittlerweile kann man einfach ein Charakter-Modell auswählen, glaube ich. Wenn ich mich richtig erinnere. Es gibt verschiedene Hautfarben, Haarfarben und Haarlängen. Natürlich trotzdem binär eingeteilt, auch wenn es nicht erwähnt wird. „Wenn ich den Typen nehme“, meinte ich zu ruru, „wie oft werde ich dann misgendert?“
Es ist absurd. Es war mir superwichtig, kurze Haare zu haben. Aber gleichzeitig superwichtig, nicht misgendert zu werden. In einem Spiel. Im Reallife werde ich nicht misgendert, selbst wenn ich mir die Haare abschneide. Ich wurde überhaupt noch nie misgendert.

Aber irgendetwas ist gerade im Weg, irgendetwas stört, ist falsch falsch falsch. Und wenn man eine DIS hat, fragt man sich dann natürlich auch, ob vielleicht irgendeine Integration passiert ist mit jemandem, der nicht cis weiblich ist. So wie mit Caomhe, als plötzlich eine jüngere Lana-Version existierte. Oder mit Yumi, wo ich plötzlich einen Glauben entwickelt habe.
So: Integration mit männlicher Innenperson hinterlässt Identitätsverwirrung.

Aber vielleicht ist es auch einfach, wie ich wahrgenommen werde. Weil ich so nicht wahrgenommen werden will. Und ich denke so: wenn ich männlich wäre, würde ich als seltsam (negativ), creepy und arrogant wahrgenommen werden. Nicht, dass das besser wäre. Es wäre nur anders.
Ich bin wütend. Das merkt man vielleicht, wenn man unsere Texte liest. Ich weiß nicht mal, was ich erreichen will. Ich weiß nur, dass ich nicht die Person sein will, die nichts falsch macht, an der man nie Kritik üben muss.

Ich heiße Lana, glaube ich. Im Alltag nutzt man ja selten seinen eigenen Namen. Neulich war ich in der Therapie und hab irgendeinen Satz gesagt, in dem der Name vorkam, ein Zitat von jemand anderem von vor Jahren.
Und ich musste innehalten.
Und ich weiß nicht, ob es war, weil im Originalzitat natürlich 'Melanie' gesagt wurde, nicht 'Lana'. Aber irgendetwas ist falsch.
Mit dem Namen.
Mit meinem Leben.

Und ich versteh's nicht.
Und ich denke, vielleicht wäre mein Leben besser gewesen, wenn ich nicht jedem einzelnen Menschen erzählt hätte, dass wir eine DIS haben und was das heißt, weil wir jetzt unter konstantem Druck stehen, unsere Identität zu verstehen, anstatt sie für uns selbst verstehen zu können, während wir nach außen ohnehin eine Melanie-Maske tragen.

Vielleicht ist 'Lana' einfach verletzt.
Ganz sicher.
Davon bin ich entfernt.
Zumindest ein bisschen.
Meine Welt steht nicht in Brand.
Ich  vermisse nur einen Menschen, der uns behandelt hat, als wäre was wir fühlen ihm egal.
Vielleicht bin ich einfach  nicht Lana.
Wer weiß.
Eine DIS ist nicht wunderschön linear. Vielleicht hätten wir nicht versuchen sollen, zu jedem Zeitpunkt zu wissen, wer draußen ist, dann wäre es auch okay einfach zu sein, aber irgendwie ist es so verdammt wichtig für andere Menschen.

Vielleicht lebe ich immer noch für andere Menschen.
Nur anders.

Wenn ich nicht Lana bin, wer bin ich dann und ist Lana dann ein Teil von mir oder bin ich einfach jemand anders?
Wenn ich das veröffentliche, habe ich Angst, dass uns Menschen wieder unsere DIS absprechen. Dabei ist das vermutlich eins der normalsten Gefühle der Welt, wenn man Viele ist. Schließlich ist man ja nicht wirklich verschiedene Menschen. Man ist Gehirnaktivitätsmuster mit Identitätsgefühl. Und dann ändert sich das Gehirnaktivitätsmuster minimal - bin ich dann jemand anders oder dieselbe Person mit einer geänderten Persönlichkeit? Es ist nicht einfach. Manchmal ist es klar und manchmal überhaupt nicht.

Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir mehr auf, was in letzter Zeit anders ist. Meine Sehstärke zum Beispiel - wir haben zwei Brillen mit minimal anderen Sehstärken, weil es minimal verschiedene Sehstärken bei uns gibt. Aber gleichzeitig hatte ich in letzter Zeit auch mehr augenspezifische Trigger, also könnte es damit zusammenhängen.
Jede Veränderung kann ich irgendwie wegerklären. Ich weiß es wirklich nicht.

Vielleicht bin ich nicht Mehr, sondern weniger. Vielleicht gab es keine Integration, sondern eine Spaltung. Aber irgendwie dachte ich immer, das würde sich sehr klar anfühlen. Hat es bisher auch. Jetzt ist es anders und damit vielleicht etwas anderes.

Vielleicht gab es eine Verschiebung. Auch wenn ich davon noch nie etwas gehört habe. Ich meine: wenn man sich das Gehirn als Haus vorstellt und die Innenpersonen sind einzelne Bereiche des Hauses, die Räume sind Interessen, Erinnerungen und Fähigkeiten. Zu manchen Räumen haben alle Zugang, zu anderen nur bestimmte Innenpersonen. Manchmal gibt es vielleicht eine verschlossene Tür, wo man zumindest durchs Schlüsselloch blicken kann, manchmal sind da einfach Wände. Eine Verschiebung wäre, wenn manche Türen aufgeschlossen werden, Wände niedergerissen und wo anders aufgebaut werden. Manche Türen zugemauert werden, in andere Wände neue Türen eingelassen werden.
Ich weiß nicht, wie das Gehirn biologisch funktioniert. Aber: „Assoziationen müssen ja irgendeine Art von biologischem Etwas sein, das auch wieder weggemacht werden kann (Dissoziation). Und man kann Assoziationen ja aufbauen - das macht man eh durchgehend. Aber da muss ja irgendetwas sein, was diese Assoziation ist. Irgendein Nervenstrang, ein Hormon, irgendwas. Und sobald es biologische Masse ist, kann es ja in der Theorie hin oder weg gemacht werden. Das ist dann, was bei einer Integration oder Spaltung passiert. Und eine Verschiebung wäre dann einfach das ganze in größerem Stil, also, wenn mehrere Sachen weggemacht und aufgebaut werden.“ - waren meine Gedanken dazu.

Aber im Endeffekt habe ich keine Ahnung.

Sonntag, 9. Januar 2022

#87: All I ever knew was how to get hurt

Am anderen Ende des kaputtes-Bindungsverhalten-Spektrums warte ich darauf, dass die Welt sich aufhört zu drehen. Sie tut es nicht. Ich frage mich, ob das Fortschritt ist, dass mein Leben nicht zusammenbricht, weil ich irgendjemanden verliere. Es fühlt sich nicht so an - fühlt sich an, als müsste ich vor dir im Staub kriechen, dich anflehen, dass es anders sein könnte, zwei Monate lang nicht das Haus verlassen, weil sich alles leer und wertlos und verlassen anfühlt, am meisten ich. Als wäre ich nicht vollständig ohne gesamte Gefühlsgewalt, als würde etwas fehlen, wenn ich einen Boden gefunden habe, auf dem ich stehen kann.
Ich muss in Stücke gerissen werden, denn wenn ich ganz bleiben kann, tut es einfach nur weh und ich weiß nicht, wie man das besser macht, es geht nicht, es gibt nichts, ich weiß nicht, wie man Schmerz in Worte fasst und überhaupt, es bringt nichts, selbst wenn ich es könnte, aber mich, mich kann ich in Worte fassen, in Sätze, Texte, Briefe an Zerbrochenwerden, das Gefühl von EsMussDochIrgendetwasGeben, irgendwie, deshalb kann ich so gut Texte über Blyth schreiben, aber über ihn reden tue ich nie.
Und es ist unfair.
Wirklich.
Wenn jemand gehen will, darf er gehen. Ich muss nicht die Welt dafür in Brand gesteckt haben. Ich habe viel zu lange gebraucht, um das zu verstehen.
Ich kann hier stehen und nüchtern, sachlich feststellen, dass es nicht passt und mein Leben ist trotzdem schlechter ohne dich. Und besser in einer Welt, in der ich leben will. Und zerissen zwischen zwei Punkten, die nicht zusammenpassen, so wie du und ich.

Aber meine Welt steht in Brand.
Du fehlst.
Du fehlst.

Und manchmal ist es einfacher, sich schlecht zu behandeln.

Samstag, 8. Januar 2022

#86: Selbstverletzung

Disclaimer: wir reden wie immer nur über unsere eigenen Erfahrungen und unser eigenes Empfinden, aber es war mir wichtig, das an dieser Stelle extra anzumerken, weil der Text sonst, glaube ich, so klingt, als würden wir anderen Leuten ihr Erleben absprechen wollen. Die Intention ist aber, über unser Erleben zu reden und darüber, dass es schlecht ist, anderen Menschen Lösungen aufzuzwingen, die nicht zu ihrem Erleben passen. Wenn euer Erleben von unserem abweicht, ist es einfach euers - und damit immer richtig und wichtig.


„Das ist wie eine Sucht“, hast du gesagt, damals, vor mittlerweile fast zehn Jahren. „Man verletzt sich selbst und dann braucht man es immer mehr.“
Wir haben gezählt, damals - ein Tag, eine Woche, ein Monat ohne Selbstverletzung. Als wäre es eine Errungenschaft, den Schmerz in uns so gut zu ignorieren. „Ich bin stolz auf dich“, hast du gesagt als der Monat um war. Vielleicht war das wirklich für dich.
Es hat sich nie wirklich angefühlt. Es ist keine Sucht das Gefühl zu haben, wenn man den Schmerz in sich nur sichtbar genug macht, kann er vielleicht endlich existieren. Es hat sich nie richtig angefühlt. Aber ich hatte keine Worte. Ich habe sie jetzt. Ich schäme mich. Irgendetwas zu sagen.

Wenn man sich aufschneidet, fügt man sich viele kleine Wunden zu. Oder große - je nachdem. Jede einzelne dieser Wunden kann sich entzünden, in jede einzelne dieser Wunden gelangen Bakterien. Es ist nicht wahrscheinlich, aber es besteht immer die Chance, dass irgendetwas sehr schiefläuft und man schlimme Konsequenzen bekommt. Amputation. Tod. Was auch immer.
Biologische Fakten. Sich aufschneiden ist gefährlich. Wenn man tief schneidet, trifft man im schlimmsten Fall Nerven oder Sehnen.
Wir haben es trotzdem getan, weil es geholfen hat. Niemand würde sich freiwillig Schmerzen zufügen, wenn es nicht helfen würde. „Es hilft nicht“, habe ich zu oft gehört, als dass ich es zählen könnte. „Hör auf damit.“
Aber es hilft.
So.
Viel.
In unserer Tasche befinden sich Rasierklingen, seitdem wir uns eingestehen konnten, dass das alles Lügen sind. Vielleicht kann ich in eine Chili beißen, um die Gefühle in mir genauso zu regulieren wie, wenn ich sie aus mir rausschneide. Es ist deutlich gesünder. Es gibt hunderte Sachen, die wir inzwischen lieber tun als uns selbst zu verletzen. Sport oder Malen oder Singen oder Weinen. Aber das Problem geht nicht weg. Das Problem bleibt dasselbe. Es geht uns scheiße, in solchen Momenten. Unglaublich sehr. Und es bringt niemandem etwas, damit dazusitzen und keine Alternative zu haben und nichts machen zu können außer sich zu denken „aber ich bin schon bei 23 Tagen“.
„Aber ich bin schon bei 398 Tagen.“
Selbstverletzung ist keine Sucht. Man wird nicht rückfällig, weil man es einmal tut. Wenn man es plötzlich wieder jeden Tag tut heißt das nur, dass man lange genug ignoriert hat wie scheiße es einem geht, ohne eine gute Alternative zu haben damit umzugehen. (Oder dass es einem in letzter Zeit besser ging.)

Das Problem ist nicht Selbstverletzung, sondern die Ursache. Der Missbrauch, der passiert ist. Das Trauma, das man erlebt hat. Die Depressionen oder sonstige psychische Krankheit oder was weiß ich.
„Wenn du dich aufschneiden würdest, weil du es so toll findest, dann wäre das kein Problem. Aber ich nehme an, das ist nicht der Fall.“
„Was will da aus dir raus?“

Wir sind nicht böse, weil Selbstverletzung Stress reguliert. Und auch sonst niemand. Und auch kein Problem, nicht egoistisch, was auch immer andere Menschen so sagen oder zeigen.
Ich habe Angst, dass dieser Text so klingt, als würde er Selbstverletzung verherrlichen wollen. Vielleicht tut er das, für manche Personen. Aber gerade dachte ich: wenn es mir schlecht geht und es gibt Wege, dass es mir besser geht, nehme ich den mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Inzwischen habe ich viele Wege gesammelt. Und manchmal verletze ich mich selbst. Und ich werde mir nie wieder eintrichtern lassen, dass es nicht hilft. Lügen helfen niemandem.
Und liebe psychisch gesunde Person, die das sagt: du hast keine Ahnung. Bitte sei einfach leise und mach es nicht zum Problem anderer Menschen, dass du nicht aushältst, dass es jemandem so schlecht gehen könnte, dass er sich selbst verletzen will.

Und das klingt sehr drastisch. Natürlich ist das nur, wie wir unser Leben wahrnehmen - für andere Menschen kann das komplett anders sein, sie können andere Gründe haben, ihnen können andere Dinge helfen. Uns hat es geholfen, Selbstverletzung einfach als eine von vielen Ressourcen zu sehen, die uns inzwischen zur Verfügung stehen und nicht als böses Unheil, das man unbedingt und schnellstmöglich vollends aus seinem Leben verbannen muss. Deshalb wollte ich das schreiben.
Denn wenn es uns geholfen hat, gibt es irgendwo jemanden, dem derselbe Gedankengang auch hilft. Der vielleicht niemanden hatte, der gesagt hat, dass Selbstverletzung nur eine Ressource ist. Ohne Wertung.
Dass das Problem ist, dass ein Problem existiert.
Und nicht Selbstverletzung.